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Team Dr. Herter III


Es ist in der Zwischenzeit lange diskutiert worden, ob man hier von dependenter Persönlichkeitsstörung, psychosozialer Störung oder neurotischem Fehlverhalten sprechen muss oder sollte. Dennoch bleibt die Ansicht zu vertreten, dass hier zumindest in der Akzeptanz und im Volksmund weiter von Spielsucht gesprochen werden sollte. Allein schon aus dem Grunde, da das Thema Sucht zur Zeit - zumindest in unseren Breiten - eine ganz andere Akzeptanz erfahren hat, als es noch vor Jahren zu erhoffen war.

Der Mensch als soziales aber auch sexuelles Wesen verfällt in Situationen der Angst und der Unsicherheit in Zeitintervalle und Handlungsstrukturen, in denen er sich sicher sein konnte, Probleme zu bewältigen. Hat er aber als Individuum nicht gelernt, solche Strukturen für sich zu erkennen, so kann er nur in Fluchtsituationen geraten, gänzlich versagen oder diesen einen individuellen Sinn geben, indem er es als lustvoll erlebt, quasi sexualisiert und als Freund in der Not bei sich weiß. Dieser Freund in der Not greift aber schnell um sich wie ein Moloch und verändert die gesamte Psyche des Patienten.

In der Sexualität nennen wir diesen devianten Weg des Patienten einen Fetisch oder eine Perversion, in allen anderen nicht sexuell definierten und determinierten Zusammenhängen scheint es so, als gäbe es ihn gar nicht. Liegt also doch unter jeder psychischen Störung auch eine sexuelle Fragestellung? Die Frage ist aus dem klinischen Alltag sehr einfach zu beantworten. Schlicht und einfach mit einem einzigen Wort: „JA!"

Dem Autor ist durchaus klar, mit welcher Häme jetzt von Kollegen, die hiermit noch wenig Erfahrung haben, dieses hinterfragt wird. Aber vergessen wir die Häme und überlegen uns das eigentliche Ziel, das Wohl des Patienten und die sich daraus ableitende Forderung einfach grundsätzlich abzufragen, zu hinterfragen und zu kontrollieren. Es ist erschreckend, welche Erkenntnisse auch langjährige hochgeschätzte Kollegen dann erhalten, wenn sie nur insistierend genug sind, alles zu hinterfragen.

Es hat den Anschein, als habe man einen großen Schleier um die Sexualität und deren Thematisierung innerhalb der Psychotherapie bei all den Problemen gelegt, die nicht per Definitionen diese Fragen an einen herantragen. In einer Vielzahl von Supervisionen des Autors- sowohl als Supervisand als auch als Supervisor - ist immer wieder festgestellt worden, dass die Urwurzel einer jeden Störung entweder sexueller Art ist oder deren Konsequenzen quasi somatopsychisch sexuelles Fehlverhalten und sexuelle Einbußen nach sich ziehen. Und je weiter sich die Meinungen der Kollegen hiervon entfernten, desto deutlicher sollten sie hinterfragen.

Die Erkenntnis, dass ein Angstanfall während einer Panik oder eines generalisierten Angstsyndroms sich neurophysiologisch von dem Ablauf im Körper dem eines Orgasmus überhaupt nicht unterscheidet, sondern nur innerhalb deren Bewertungen, die bekannt völlig unterschiedlich wahrgenommen werden, hat uns zu vielerlei neuem experimentellen Denken gebracht. Und in der jahrzehntelangen Beobachtung und statistischen Auswertung haben sich Korrelationen zwischen Mangel an sexuellem Erleben und Erleben von Angstanfällen in immer wieder bestätigten Studien gezeigt (s. auch Herter 2003).

Mit der Veröffentlichung des Audiomoduls von „Lukanico - Therapie & Sinfonie" - hierbei handelt es sich um eine verhaltenstherapeutische Extensionsübung von Ängsten durch imaginative Verfahren des Erlebens der Angst, deren Steigerung, den Stoppelementen und dem Einsetzen von positiv besetzten Illusionen - hat sich deshalb auch gezeigt, dass imaginäre Verfahren kurzfristig zu positiven Veränderungen im Erleben der Menschen führen können. Wir haben im Sinne der Ethik hier keine Untersuchung durchgeführt, wie es wäre, wenn man die Patienten anschließend nicht sexualtherapeutisch ansprechen würde. Aus hiesiger Überlegung hieße das, Leiden bewusst zu verlängern. Wir haben deshalb lediglich grundsätzlich sexualtherapeutisch mitgewirkt und dabei eine Erfolgsgröße von mehr als 80 % erreicht (N > 1.000 < 10.0001 > 2 Jahre < 4 Jahre).

(Fußnote: Gerade aus unserem klinischen Alltag möchten wir aus datenrechtlichen Gründen aber auch aus Gründen der Marktsituation nicht genauer belegen. Dennoch konnte gezeigt werden, dass es sich bei den 18%, die effektlos blieben, signifikant häufig ca. 60 % um Borderline und psychotische Patienten handelte, so dass die Überlegung, ob es als Ausschlussdiagnostik bei diesem Klientel eingesetzt werden könnte, noch weiter hinterfragt werden müsste.)

In dem Wissen um das Notwendige und Machbare erscheint es problematisch, es zu unterlassen. Es ist die grundsätzliche Problematik von z. B. Doppelblinduntersuchungen, in denen bewusst und bei billigender Inkaufnahme ein Teil der Patienten wider besseres Wissen unversorgt bleibt. Gerade bei Doppelblindstudien, wo Gesunde und Nichtgesunde mit Präparaten und Placebos versorgt werden, ist sowohl die Problematik des medikamentösen Einsatzes bei dem Hypochonder als auch das Weglassen bei dem Erkrankten ethisch äußerst schwierig und juristisch nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht endgültig ausdiskutiert. Hier wäre sowohl dem bewussten Versagen von medikamentöser und notwendiger Unterstützung dem Kranken gegenüber als auch der überflüssigen Behandlung des Gesunden zumindest aus unserer Sicht erhebliche Zweifel entgegen zu bringen.

Ein ähnliches Problem stellte sich uns auch dar, als wir mit dem pathologischen Umgang mit Handys zum Verschicken von Short-Messages-Services - kurz SMS - oder auch Simsen genannt, konfrontiert wurden. Es ist das Problem einer klinischen Einrichtung ohne eigene Forschungsmittel, neue Dinge zu entdecken und sie dann auch noch wissenschaftlich korrekt zu überprüfen. Aus diesem Grunde auch dieser Aufsatz, der möglicherweise vielen jungen Kollegen Motivation und Aufforderung gibt, sich in Form von Diplom-Arbeiten, Dissertationen oder Habilitationen weiter mit Einzelthemen dieser Problemstellungen auseinander zu setzen.









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